Abstrakte Illustration eines Scoring-Gauges mit Stern und Justizwaage — BGE Score Visualisierung
· 4 Min. Lesezeit · Methodik

BGE Score — Wie LexSync Bundesgerichts-Urteile bewertet

Das Schweizerische Bundesgericht fällt jährlich rund 7'000 bis 8'000 Entscheide — nur etwa 5 Prozent davon sind Leitentscheide. Der BGE Score bewertet jeden Entscheid automatisch nach vier objektiven Kriterien und filtert so die relevanten Urteile aus der Masse. Maximal 100 Punkte, transparent berechnet.

Warum braucht es einen Score?

Bestehende Plattformen wie Swisslex oder Weblaw setzen voraus, dass Entscheide nach Aktenzeichen, Rechtsgebiet oder Stichwort aktiv recherchiert werden. Für alle, die nicht täglich 150 Urteile lesen können — Anwälte wie Compliance Officers — ist das keine praktikable Lösung.

LexSync verfolgt einen anderen Ansatz: Die relevanten Entscheide kommen per Newsletter direkt zu den Abonnenten. Aber wenn der Newsletter drei Bundesgerichtsentscheide pro Woche aufnimmt, braucht es ein Auswahlverfahren. Aus rund 150 Urteilen pro Woche muss ein System die Handvoll identifizieren, die tatsächlich Aufmerksamkeit verdienen. Genau das leistet der BGE Score.

Der BGE Score ersetzt keine juristische Beurteilung. Er filtert Signal aus Rauschen — damit nur gelesen werden muss, was zählt.

Die vier Faktoren im Detail

Jeder Faktor des BGE Score ist maschinell aus den öffentlich verfügbaren Metadaten des Bundesgerichts ableitbar. Es fliessen keine subjektiven Bewertungen ein — ausschliesslich strukturelle Merkmale, die das Gericht selbst durch seine Verfahrensorganisation und Publikationspraxis erzeugt.

1

Publikations-Status (+50 Punkte)

Publikations-Status (+50 Punkte)

Das Bundesgericht markiert bestimmte Entscheide zur Publikation in der amtlichen Sammlung (BGE). Diese Markierung ist das stärkste Relevanz-Signal: Das Gericht selbst signalisiert damit Bedeutung über den Einzelfall hinaus. Ein zur Publikation vorgesehener Entscheid erhält die Hälfte des maximal möglichen Scores.

2

Besetzung (+20 Punkte)

Besetzung (+20 Punkte)

Fünferbesetzung kommt zum Einsatz, wenn ein Fall als grundsätzlich bedeutsam gilt oder bisherige Rechtsprechung in Frage steht. Die Dreierbesetzung ist der Normalfall. Ein Urteil in Fünferbesetzung signalisiert: Hier wurde institutionell entschieden, dass der Fall mehr Gewicht braucht.

3

Einstimmigkeit (+10 Punkte)

Einstimmigkeit (+10 Punkte)

Ein nicht-einstimmiger Entscheid zeigt aktive Rechtsentwicklung — eine offene Frage, bei der die Richter unterschiedlicher Meinung waren. Solche Urteile sind besonders beachtenswert, weil sie auf künftige Entwicklungen in der Rechtsprechung hindeuten können.

4

Urteilslänge (bis +20 Punkte)

Urteilslänge (bis +20 Punkte)

Grundsatzurteile brauchen Platz. Die Punktevergabe ist abgestuft: über 10'000 Wörter (+20), über 5'000 Wörter (+10), über 2'000 Wörter (+5). Länge ist kein Qualitätsmerkmal an sich, korreliert in der Praxis aber stark mit systematischer Bedeutung und Komplexität des Sachverhalts.

Wie die Faktoren zusammenspielen

Der BGE Score addiert die Punkte der vier Faktoren und begrenzt das Ergebnis auf maximal 100. Die Gewichtung spiegelt die tatsächliche Aussagekraft jedes Merkmals wider — mit dem Publikations-Status als stärkstem Signal.

Faktor Punkte Begründung
Publikations-Status +50 Offizielle Relevanzeinschätzung des Gerichts selbst
Besetzung (5er) +20 Institutionelle Einordnung als grundsätzlich
Nicht-einstimmig +10 Kontroverse Rechtsfrage, potenzielle Weiterentwicklung
Urteilslänge >10'000 W. +20 Proxy für Komplexität und Tiefe
Urteilslänge >5'000 W. +10 Überdurchschnittlich ausführlich
Urteilslänge >2'000 W. +5 Standardmässig ausführlich

Ein zur Publikation vorgesehener Entscheid in Fünferbesetzung mit über 10'000 Wörtern und nicht-einstimmigem Ergebnis erreicht den Höchstwert von 100 Punkten. Ein kurzer, einstimmiger Dreier-Entscheid ohne Publikationsmarkierung bleibt bei 0 — und taucht im Newsletter nicht auf.

Die Ergebnisse sind direkt einsehbar: Die Top-Entscheide-Liste zeigt die höchstbewerteten Urteile auf einen Blick. Das Zitationsnetzwerk macht die Verbindungen zwischen Entscheiden und den betroffenen Erlassen nachvollziehbar — welche Gesetze werden besonders häufig ausgelegt, wo entsteht neue Rechtsprechung?

Transparenz als Prinzip

Der BGE Score ist kein Black-Box-Algorithmus. Jeder Score wird mit seinen Einzelfaktoren angezeigt — nicht nur die Zahl, sondern auch die Begründung. Wenn eine Gewichtung nicht überzeugt, lassen sich die Faktoren nachvollziehen und eine eigene Einschätzung treffen.

Das ist bewusst so: LexSync ist ein Werkzeug, kein Orakel. Die KI-Analyse liefert den Sachverhalt, die Kernaussage und die praktische Bedeutung eines Entscheids — in drei Sätzen, verständlich auch ohne juristische Ausbildung. Aber die letzte Beurteilung bleibt beim Menschen.

Fazit

Der BGE Score destilliert aus rund 150 Bundesgerichtsentscheiden pro Woche die Handvoll, die Aufmerksamkeit verdienen. Vier objektive, nachvollziehbare Faktoren — Publikations-Status, Besetzung, Einstimmigkeit und Urteilslänge — ergeben ein transparentes Relevanz-Signal mit maximal 100 Punkten. Kein Ersatz für juristische Analyse, aber ein zuverlässiger Filter für alle, die nicht täglich 30 Urteile lesen können.

BGE Score Bundesgericht Relevanz

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